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Sonderausstellung zu Meissener Porzellan der DDR

Neue Ausstellung im Hetjens wird heute eröffnet

Das Hetjens präsentiert vom 28. November 2019 bis zum 1. März 2020 eine Sonderausstellung zu Meissener Porzellan in der DDR.

Düsseldorf - Erstmals seit Gründung der Porzellanmanufaktur Meissen durch den Kurfürsten August den Starken anno 1710 geschah in der Produktionsstätte etwas Revolutionäres: Fünf junge Künstler erhielten von der DDR-Führung ab 1960 als "Kollektiv Künstlerische Entwicklung" die Aufgabe, dem "Weißen Gold" aus Sachsen ein neues Aussehen zu geben. Viele Jahre lang konnten sie frei experimentieren und probieren. Das Künstlerkollektiv - Peter Strang, Heinz Werner, Ludwig Zepner, Rudi Stolle und Volkmar Bretschneider -  entwickelte gänzlich neue Formen und Malereien für das Meissener Porzellan in der DDR. Das Porzellan ist mit den Formen und Dekors überraschend oft in der bunten Welt der Märchen und der Träume angesiedelt.

Erstmals in Westdeutschland widmet das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum in Düsseldorf dem Porzellan eine umfassende Sonderausstellung unter dem Titel "Märchenhaftes Meissen – Traumwelten der DDR". Mit rund 200 Exponaten erinnert die vom 28. November bis zum 1. März 2020 geöffnete Präsentation an ein wenig beachtetes Kapitel in der Geschichte der ältesten europäischen Porzellanmanufaktur. Diese besondere Porzellanschau, die in Kooperation mit dem Düsseldorfer Kunstpalast präsentiert wird, soll an den Mauerfall vor 30 Jahren und die damit eingeleitete deutsche Wiedervereinigung erinnern.

Die formal schlichten Produkte einer von der SED verordneten "proletarischen" Porzellankunst, die in den Werkstätten des 1950 aus Ruinen neu erstandenen "VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen" in den frühen Jahren produziert wurden, fanden im Ausland wenig Anklang; sie waren somit zur dringenden Devisenbeschaffung für die DDR-Planwirtschaft ungeeignet. Ab 1960 änderte sich die Situation mit dem neuen Auftrag jedoch. "Mit Sonder-Erlaubnis und sogar inspirierenden Asien-Reisen hatte das Künstlerkollektiv nun auf einmal die Möglichkeit, etwas zu entwerfen, was auf dem westlichen Markt bestehen konnte", beschreibt Hetjens-Direktorin Daniela Antonin die Wende in der Meissener Porzellan-Produktion: "Die neuen Stücke entführen uns in ein farbensprühendes Märchenreich, in eine Welt der Freizügigkeit, des Glanzes und der Harmonie." Fasziniert lauscht so zum Beispiel in einem Tafelaufsatz als Szene aus "Tausendundeiner Nacht" der Porzellan-Kalif Harun ar Raschid seiner Sherazade. Inspiriert von Shakespeares "Sommernachtstraum" zeigt eine Plastik, die Elfenkönigin Titania, die ihren eselsköpfig verzauberten Zettel verliebt umgarnt.

"Die Sujets sind – bewusst oder unbewusst – unpolitisch angelegt und stellen in deutlichem Gegensatz zur Realität gewissermaßen eine erlaubte Flucht aus dem sozialistischen Alltag dar", so Ausstellungskurator und Vizedirektor Wilko Beckmann. In den Porzellanen von Heinz Werner und Peter Strang begegnet der Betrachter nicht nur den Helden orientalischer Märchen oder den Feen und Trollen Shakespeares, sondern etwa auch dem Lügenbaron Münchhausen, Waldnymphen und lüsternen Jägern, die ihnen nachstellen. Die Malereien vermitteln Leichtigkeit und Heiterkeit – ein besonders charakteristisches Merkmal der Arbeit Heinz Werners. Plastisch dargestellt wurden zum Beispield die Figuren nach der Märchenparabel "Der Drache" von Jewgeni Schwarz, dessen Bühnenfassung 1964 am Deutschen Theater in Ost-Berlin Premiere feierte. 1970 modellierte Peter Strang – von Bert Brechts Witwe Helene Weigel genau beobachtet – "Die Hochzeit des Macheath" als Szene aus der "Dreigroschenoper".

Die Formen des neuen DDR-Porzellans sind zwar noch durch den historischen Serviceklassiker "Neuer Ausschnitt" aus den frühen Manufakturjahren um 1745 inspiriert, erhalten jedoch größere Proportionen, schwingende Konturen und gebogene Kanten. 1973 vollendeten die mittlerweile mit dem Kunstpreis der DDR geehrten Ludwig Zepner, Peter Strang und Heinz Werner die neue Form "Großer Ausschnitt", deren Teller, Schalen und Platten auf der Grundform des Blütenkelches basieren.


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