Katholische Laien fordern staatliche Aufarbeitung von Missbrauchsskandal

ZdK-Präsidentin Stetter-Karp: System der Vertuschung wurde nicht aufgebrochen

Nach der Vorstellung des Gutachtens zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München-Freising haben die katholischen Laien den Staat aufgefordert, die Aufarbeitung des Missbrauchskandals in der Kirche zu übernehmen.

München - Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, sagte am Freitag im Rundfunk Berlin-Brandenburg, sie glaube "nicht mehr, dass die Kirche allein die Aufarbeitung schafft".

Stetter-Karp sagte, es müsse die Frage gestellt werden, ob es nicht ein besserer Weg wäre, wenn es "im Sinne der Unabhängigkeit der Aufarbeitung" mehr Einfluss durch die Politik gebe. Dies könne über "einen Ausschuss im Parlament, über eine Kommission, über eine Wahrheitskommission" erfolgen.

Die ZdK-Präsidentin zeigte sich ernüchtert von den Ergebnissen des Münchner Gutachtens. "Es ist offensichtlich, dass auch im Jahr 2022 die bittere Realität heißt: Das System von Vertuschung, Vergessen und schneller Vergebung gegenüber den Tätern ist nicht aufgebrochen worden."

Mit Blick auf den sogenannten synodalen Weg von Klerus und Laien forderte sie von der nächsten Synodalversammlung klare Voten für ein Ende des Machtmissbrauchs in der Kirche. "Es ist höchste Zeit, dass Betroffene zu Beteiligten gemacht werden", sagte Stetter-Karp.

Das am Donnerstag vorgelegte Gutachten hatte bei sämtlichen Münchner Erzbischöfen seit dem Zweiten Weltkrieg Fehlverhalten festgestellt, darunter auch beim späteren Papst Benedikt XVI. und beim amtierenden Kardinal Reinhard Marx. Im Fall des emeritierten Papsts sehen die Gutachter es als erwiesen an, dass er bei vier pädophilen Klerikern - zwei davon einschlägig vorbestraft - deren Weiterbeschäftigung in Kirchengemeinden ermöglichte. Eine Stellungnahme, in der Benedikt dies zurückwies, nannten die Gutachter auf Grundlage von Zeugenbefragungen und der Aktenlage unglaubwürdig.

(xity, AFP)