Fake Facts und neue Technologie

Prüfende Haltung statt blinde Vertrauen

Wem vertrauen, wenn es um die Vermittlung von Fakten und Einschätzungen geht?

Nürnberg - In der COVID-19-Pandemie zeigt sich deutlich die Gefährlichkeit von Fake News. Doch wem vertrauen, wenn es um die Vermittlung von Fakten und Einschätzungen geht? Für junge Toptalente und Nachwuchsführungskräfte ist klar: Falschinformationen sind vor allem in sozialen Netzwerken zu finden.
Sie sind der Ansicht, dass ihre eigene Generation den sozialen Medien zu sehr vertraut, anstatt etwas zur Bekämpfung von Fake Facts zu unternehmen. Generell sehen sie das Problem, dass die Grenze zwischen objektiven Tatsachen und subjektiven Meinungen immer mehr verschwimmt. Dies sind Ergebnisse der
diesjährigen Studie "Voices of the Leaders of Tomorrow - Challenges for Human Trust in a Connected and Technology-Driven World" des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) und des St. Gallen Symposiums.

Die für die Studie befragten 620 Nachwuchsführungskräfte, Jungunternehmer und Studierende aus dem weltumspannenden Netzwerk des St. Gallen Symposiums stammen aus 84 Ländern und sind überwiegend nach 1990 geboren. Diese Generation ist mit sozialen Medien und einer Vielzahl an Medienangeboten groß geworden - und übt gleichzeitig auffallend starke Kritik an der Vertrauenswürdigkeit von Social-Media-Kanälen: 90 Prozent der jungen Toptalente antworten, dass Fake News ihrer Meinung nach vor allem bei Facebook, Twitter und Co. kursieren. Klassische Medien, wie beispielsweise Tageszeitungen, stehen bei ihnen in der aktuellen
COVID-19-Pandemie deshalb mit Abstand an der Spitze, wenn es um vertrauenswürdige Mediengattungen geht: Über zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie in Tageszeitungen nur zuweilen beziehungsweise nie
Falschinformationen wahrnehmen. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren Nachrichtensendungen bei öffentlichen TV-Sendern und Nachrichtenmagazine.

Kampf gegen Fake News - auch die eigene Generation ist gefragt

Die Grenze zwischen objektiven Tatsachen und subjektiven Meinungen verschwimmt immer mehr, so die Meinung der Leaders of Tomorrow. Auch in diesem Kontext sehen und bemängeln sie die Arglosigkeit und Trägheit der eigenen Generation, die ihrer Meinung nach den sozialen Medien ein zu hohes Vertrauen entgegenbringt: 53 Prozent halten den blinden Glauben der jungen Menschen an die Nachrichteninhalte
auf Social-Media-Kanälen für ein dringendes Problem und sogar 75 Prozent stimmen der Aussage zu, dass ihre Generation zu wenig zur Bekämpfung von Fake Facts unternimmt. Aber auch in etwa genauso viele sind der Ansicht, dass die meisten Online-Firmen und Plattformanbieter nicht genug tun, um Fälschungen und gefälschte Bewertungen zu kennzeichnen oder zu verhindern.

Appell an die junge Generation: Prüfende Haltung gegenüber neuen Technologien nötig

Auch wenn es um Werte und die Haltung gegenüber neuen Technologien geht, äußert sich der Führungsnachwuchs in der Studie kritisch gegenüber der eigenen Generation: 66 Prozent sind der Überzeugung, dass ihre Altersgenossen hier zu wenig Wert auf ethische Standards legen. Und knapp unter 60 Prozent der Befragten bewerten die Haltung gegenüber neuen Technologien, wie z.B. künstlicher Intelligenz (KI), für zu unkritisch.

Da neue Technologien auch in Zukunft enorme digitale Möglichkeiten schaffen werden, halten die Leaders of Tomorrow eine Reihe von Maßnahmen für notwendig bzw. sehr dringend, um das Vertrauen in die Technik zu stärken: Diese reichen von einer höheren Transparenz, wie die persönlichen Daten der Nutzer verwendet
werden, über eine umfassende Bildung der Menschen zu Risiken und Chancen von Technologien bis hin zur Einrichtung / Stärkung von entsprechenden Aufsichtsbehörden.

Deutlicher Vertrauensverlust für Politiker und die Regierungen in der Pandemie

Gefragt, welche Institutionen und Gruppen in der aktuellen COVID-19-Pandemie anVertrauen gewonnen beziehungsweise verloren haben, verzeichnen Politiker und Regierungen mit 64 Prozent bei den Toptalenten den stärksten Vertrauensverlust, gefolgt von den sozialen Medien. Fast 60 Prozent geben an, dass ihr Vertrauen in Social Media leicht oder sogar deutlich gesunken ist. Aber auch knapp die Hälfte berichtet, dass ihr Vertrauen in ihre Mitbürger während der Pandemie gelitten hat. Klare Vertrauensgewinner sind das medizinische Personal, wie Ärzte und Krankenpfleger, sowie die Berufsgruppe der Wissenschaftler: 68 Prozent
beziehungsweise 63 Prozent geben an, dass diese beiden Gruppen bei ihnen im Laufe der Pandemie an Vertrauen zulegen konnten.

"Vertrauen in Institutionen und klare Fakten einer gemeinsamen Realität sind das Fundament einer demokratischen Gesellschaft und eines funktionierenden Marktes. Medien kommt hier eine besondere Bedeutung für das Vertrauen zu. Sie können entweder helfen, die Qualität der Information zu erhöhen und dabei helfen, Fakten und Fiktion zu trennen. Oder sie können Fake News und Lügen ein Megafon geben.", sagt Dr. Andreas Neus, Geschäftsführer des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen. "Die Leaders of Tomorrow machen deutlich, dass in ihren Augen klassische Medien für eine faktenbasierte Berichterstattung stehen,
während Social Media eher mit Fake News verbunden werden. Gleichzeitig kritisieren sie, dass ihre eigene Generation Letzteren zu unkritisch gegenübersteht. Von Falschinformationen über die Pandemie bis zu gefälschten Reviews bei Online-Plattformen: Unternehmen, aber auch jeder Einzelne, sind gefordert, stärker gegen falsche Informationen - von Fake News bis zu Fake Reviews - vorzugehen. Transparenz und Technologieverständnis, aber auch staatliche Regulierung sind dabei wichtige Mittel, erschüttertes Vertrauen
wieder herzustellen."


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