Erfinderin von Gen-Schere in Berlin mit Chemie-Nobelpreis geehrt

Preisverleihungen wegen Corona-Pandemie an die Wohnorte der Geehrten verlegt

In Berlin ist am Montag der diesjährige Chemie-Nobelpreis an die französische Forscherin Emmanuelle Charpentier verliehen worden.

Berlin - Die Mit-Erfinderin der sogenannten Gen-Schere erhielt die Auszeichnung am Abend vom schwedischen Botschafter in Deutschland, Per Thöresson. Statt bei den traditionellen Zeremonien in Stockholm erhalten die Preisträger in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ihre Auszeichnungen an ihren jeweiligen Wohnorten. Am Dienstag empfängt der deutsche Physik-Nobelpreisträger Reinhard Genzel in München seine Urkunde und Medaille.

In der Bundeshauptstadt leitet die 51-jährige Charpentier die Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene. Der Chemie-Nobelpreis war ihr zusammen mit der US-Wissenschaftlerin Jennifer Doudna zuerkannt worden, die ihren Preis am Dienstag in Kalifornien erhält.

Mit dem Preis würdigte das Nobelkomitee die bahnbrechenden Forschungen der beiden Wissenschaftlerinnen zur Crispr/Cas9-Technik, die allgemein als Gen-Schere bezeichnet wird. "Mit ihr können Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen mit extrem hoher Präzision ändern", erklärte das Nobelkomitee. Die Forscherinnen teilen sich ein Preisgeld von zehn Millionen Schwedischen Kronen (950.000 Euro).

Den Auftakt der Preisverleihungen machte am Sonntag die Literaturpreisträgerin Louise Glück. Die Lyrikerin empfing laut der Nobelstiftung ihre Auszeichnung in ihrem Haus im US-Bundesstaat Massachusetts. Am Dienstag werden den beiden US-Virologen Harvey Alter und Charles Rice ihre Medizin-Nobelpreise in Washington und New York überreicht - wann ihr in Kanada lebender britischer Kollege Michael Houghton gewürdigt wird, war hingegen zunächst unklar.

Am Dienstag ist auch die Übergabe der Wirtschaftsnobelpreise an die beiden US-Forscher Paul Milgrom und Robert Wilson im kalifornischen Palo Alto vorgesehen. Auch der britische Physiknobelpreisträger Roger Penrose erhält seinen Preis in London am Dienstag. Seine Kollegin Andrea Ghez wird ihren Preis am Mittwoch in Los Angeles entgegennehmen.

Der Friedensnobelpreis schließlich wird am Donnerstag an den Leiter des Welternährungsprogramms (WFP), David Beasley, in Rom übergeben. Die Zeremonie soll - statt wie traditionell in Oslo - in der italienischen Hauptstadt stattfinden und online übertragen werden.

In Stockholm, wo traditionell alle anderen Preise verliehen werden, ist für Donnerstagnachmittag eine Zeremonie im Rathaus geplant. Diese erfolgt ohne Publikum - aber mit Konzert und Aufnahmen der verschiedenen Preisübergaben.

(xity, AFP)