19.07.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Der alte Mann und seine Frau

Der alte Mann und seine Frau

Dramödie 'Das Leuchten der Erinnerung' bewegt

Ein betagtes Ehepaar begibt sich auf die Spuren Hemingways - und ihres langen, gemeinsamen Lebens.

Düsseldorf - Eines Morgens steigen Ella (Mirren) und ihr Ehemann John (Sutherland) einfach in ihr klappriges Wohnmobil "The Leisure Seeker", drehen Janis Joplins "Me and Bobby McGee" voll auf und machen sich auf den Weg nach Key West, wo sie sich Hemingways Haus anschauen wollen. Die erwachsenen Kinder Jane (Janel Moloney) und vor allem ihr Bruder Will (Christian McKay) kommen fast um vor Sorge, als sie das Verschwinden ihrer Eltern bemerken - schließlich ist nicht nur ihr Vater, sondern auch ihre Mutter krank. Das alte Ehepaar versucht jedoch, seinen letzten Trip zu genießen: Szenen beeindruckender Vertrautheit zwischen den beiden wechseln ab mit Begebenheiten, in denen der nicht aufzuhaltende Autonomieverlust des kranken Ehepaares nicht mehr von der Hand zu weisen ist.

Im Gegensatz zum gleichnamigen Roman von Michael Zadoorian, den Virzì gemeinsam mit Stephen Amidon, Francesca Archibugi und Francesco Piccolo adaptiert hat, wurde die Geschichte in das US-Wahlkampfjahr 2016 verlegt. Dies führt zu einer tragikomischen Szene, in der der zunehmend unter Demenz leidende John - Zeit seines Lebens Demokrat - sich voll kindlicher Unschuld unter Trump-Anhänger mit ihren dämlichen "Make America Great Again"-Kappen mischt und von seiner genervten Frau zurückgepfiffen wird. Auch Amerika hat mit Intelligenzverlust zu kämpfen, scheint der Regisseur dem Zuschauer auf einer feinsinnigen, zweiten Ebene wiederholt sagen zu wollen.

Dank der atemberaubenden Schauspielerleistung der beiden Altstars wird der Zuschauer in dieses Wechselbad der Gefühle vollends hinein gesogen - wenngleich der Film leider auch ein paar Längen aufweist. Man lacht und weint jedoch zugleich, wenn der ehemalige Professor John zumeist recht unbelesenen Kellnerinnen Vorträge über Hemingway hält, wenn er seine Frau an der Tankstelle vergisst oder Kleinganoven empfiehlt, Abendkurse zu besuchen, um ihre Grammatik zu verbessern.

Dabei gelingt es Sutherland, dem demenzkranken John so viel Würde zu verleihen, dass man niemals bloß albern über seine erschreckende Vergesslichkeit kichert. Mirren dagegen fesselt den Zuschauer mit ihrer gelegentlich von der Krankheit ihres Mannes tief frustrierten, aggressiven Art, hinter der aber immer wieder die tiefe Liebe zu ihrem einst so charmanten Lebensgefährten durchschimmert.

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