21.01.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Der 25. Wolfgang-Hahn-Preis

Der 25. Wolfgang-Hahn-Preis

Künstlerin Jac Leirner wird ausgezeichnet

Der 25. Wolfgang-Hahn-Preis geht an die brasilianische Künstlerin Jac Lerner, welche von der Gesellschaft für Moderne Kunst 2019 ausgezeichnet wird.

Köln - Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis zeichnet die Gesellschaft für Moderne Kunst das Museum Ludwig Jac Leirner aus.  Die brasilianische Künstlerin, 1961 in São Paulo geboren, verfolgt mit ihrer Arbeit seit vielen Jahren eine subtile Analyse von Gesellschafts- und Repräsentationssystemen. Dabei spielen eine wichtige Rolle gefundene, oft industriell hergestellte Alltags-Objekte, aus denen sie nach den Prinzipien des Sammelns, Akkumulierens und Klassifizierens, Installationen, Collagen und Skulpturen schafft. So entstehen dichte, oft minimalistische Arbeiten, die mit den ästhetischen, repräsentativen und soziokulturellen Bedeutungsebenen der Objekte spielen.

Jochen Volz, der Direktor der Pinacoteca do Estado de São Paulo und Gastjuror für den Wolfgang-Hahn-Preis 2019 begründet die Entscheidung der Jury: „Jac Leirner ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Konzeptkunst unserer Tage und der sogenannten Institutionskritik. Seit den 1980er Jahren hat sie mit ihren Skulpturen, Bildern und Installationen die Idee des Originals und des Wertes von Kunstwerken in Frage gestellt. Gefundene, gesammelte und auch gestohlene Objekte, meist industriell produziert, werden von ihr verarbeitet. Die Arbeit Museum Bags (1985/2018) besteht beispielsweise aus einer Sammlung von gewöhnlichen Plastiktüten, die sie in verschiedenen Museumsshops erworben hat. Die Tüten, die normalerweise vom Besucher benutzt werden, um ein Souvenir vom öffentlichen Museum in den Privatraum zu befördern, werden hier zu einer großflächigen Collage, zum Bild.“

Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig und Mitglied der Jury, ergänzt: „2019 ist ein besonderes Jahr für den Wolfgang-Hahn-Preis: Zum ersten Mal zeichnen wir eine südamerikanische Künstlerin für ihr international relevantes Œuvre aus. Das weitet unseren Blick für das globale zeitgenössische Kunstgeschehen. Leirners Schaffen, an der Schnittstelle von Minimalismus, Konzeptualismus und Institutionskritik, ist eine große Bereicherung für die Sammlung des Museum Ludwig. Zum 25. Mal in Folge verleiht die Gesellschaft für Moderne Kunst den Wolfgang-Hahn-Preis dank ihrer engagierten Mitglieder – dieses langfristige und nachhaltige bürgerschaftliche Engagement für die zeitgenössische Kunst ist einfach großartig.“

Mayen Beckmann, Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für Moderne Kunst: „Die Fortschreibung der Sammlung des Museum Ludwig in die Zukunft war von Anfang an das Ziel des Wolfgang-Hahn-Preis. Wir wollen Künstler*innen auszeichnen, deren Werk international beim Fachpublikum bereits anerkannt ist, in Deutschland jedoch noch nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Zudem sollen Lücken in der Sammlung geschlossen werden. Es werden daher bewusst Werke von Künstler*innen ausgewählt, die bislang fehlen. Jac Leirners Werk erfüllt genau diese Kriterien und gehört unbedingt ins Museum Ludwig. Wir freuen uns, diese Künstlerin auch dank BAUWENS und EBNER STOLZ im Museum Ludwig der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Wir sind dankbar, dass beide Unternehmen ihre Unterstützung für Präsentation und Publikation des Wolfgang-Hahn-Preis für weitere drei Jahre zugesagt haben.“

Museum Bags (1985/2018) wird von der Gesellschaft für Moderne Kunst anlässlich der Verleihung des Preises für die Sammlung des Museum Ludwig erworben und im Kontext der ständigen Sammlung präsentiert. Anlässlich des Preises erscheint außerdem eine Publikation in Zusammenarbeit mit der Künstlerin, herausgegeben von der Gesellschaft für Moderne Kunst.

Jac Leirner wurde 1961 in São Paulo geboren, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Ihre erste Ausstellung hatte sie dort 1982. 1991 war sie mit institutionellen Einzelausstellungen am Institute of Contemporary Art, Boston, USA und am Museum of Modern Art, Oxford, UK sowie am Walker Art Center, Minneapolis, USA vertreten. Seitdem hat Leirner kontinuierlich an einer Vielzahl renommierter Institutionen weltweit ausgestellt. So hatte sie beispielsweise eine große Retrospektive an der staatlichen Pinakothek von São Paulo (2011) und stellte am Museo Tamayo Arte Contemporáneo in Mexico City genauso aus (2014) wie am Museum of Contemporary Arts of Shanghai (2016) und am Irish Museum of Modern Art, Dublin (2017). Leirner hat an zahlreichen Biennalen teilgenommen, 1989 und 1994 an der Biennale von São Paulo, 1990 und 1997 an der Biennale in Venedig, 2000 an der Biennale von Havanna, 2005 und 2015 an der „Bienal do Mercosul“ in Porto Alegre. In Deutschland waren Leirners Arbeiten 1992 auf der Documenta 9 und im selben Jahr in Köln in der Josef Haubrich-Kunsthalle zu sehen.

Über den Wolfgang-Hahn-Preis?Die Gesellschaft für Moderne Kunst verleiht den Wolfgang-Hahn-Preis in diesem Jahr bereits zum 25. Mal. Mit dieser Auszeichnung sollen vorrangig zeitgenössische Künstler*innen geehrt werden, die sich in der Kunstwelt durch ein international anerkanntes Œuvre bereits einen Namen gemacht haben, in Deutschland aber noch nicht so bekannt sind, wie sie es verdienen. Das Preisgeld in Höhe von maximal 100.000 Euro setzt sich aus den Beiträgen der Mitglieder zusammen und fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe der Künstler*in zugunsten der Sammlung des Museum Ludwig. Mit dem Preis verbunden ist eine vom Museum Ludwig organisierte Ausstellung mit Arbeiten der Preisträger*in sowie die Herausgabe einer begleitenden Publikation.

Der Name des Preises ehrt das Andenken an den passionierten Kölner Sammler und Gemälderestaurator Wolfgang Hahn (1924–1987), der sich in vielfältiger Hinsicht für die Kunst der europäischen und amerikanischen Avantgarde in Köln engagierte. Seinem vorbildlichen Wirken als Sammler, als Gründungsmitglied der Gesellschaft und als Leiter der Restaurierungswerkstätten des Wallraf-Richartz-Museum / Museum Ludwig fühlt sich die Gesellschaft für Moderne Kunst verpflichtet.


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