Düsseldorfer Oper zeigt "A simple piece" als Film

Filmemacher Ralph Goert setzt Stück in Szene

Mit dem Düsseldorfer Filmemacher Ralph Goertz hat Demis Volpi, Direktor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein, sein Stück "A simple piece" als Choreographie für Tänzer*innen und Kamera neu entwickelt.

Düsseldorf - Beide Künstler haben sich von der Idee leiten lassen, ein Tanzerlebnis zu schaffen, das es ohne das hinzugezogene Medium Film so nicht gegeben hätte. Ein bloßes Abfilmen des Stücks aus Zuschauerperspektive war deshalb keine Option. 

In mehrtägiger Probenarbeit haben Demis Volpi und Ralph Goertz gemeinsam mit Ballettmeister Brent Parolin und sechzehn Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein eine eigenständige Version von "A simple piece" entwickelt. Der Filmemacher bewegt sich darin permanent auf minutiös ausgearbeiteten Wegen zwischen den Tänzer*innen, setzt den Fokus mal auf Soli, mal auf Gruppenstrukturen. Auf magische Weise durchdringt er mit der Kamera den von Volker Weinhart subtil ausgeleuchteten Bühnenraum und macht den menschenleeren Zuschauerraum des Düsseldorfer Opernhauses ästhetisch erlebbar.

Als dramaturgische Besonderheit ist "A simple piece" mit nur einer Kamera als so genannter One Take aufgenommen. Das bedeutet, die Zuschauer*innen erleben die Choreographie durch die Linse der Kamera in einem Durchlauf, ohne Schnitte und Unterbrechungen. Daraus entsteht ein intensives Filmerlebnis, das suggeriert, live auf der Bühne dabei zu sein. Auch spielt Volpi virtuos mit einer variierenden Anzahl von Tänzer*innen: Waren in seiner Bühnenfassung, die im Oktober im Opernhaus Premiere hatte, acht Protagonist*innen auf der Bühne zu erleben, füllt im Film zeitweise wie aus dem Nichts die doppelte Anzahl von Personen den Bühnenraum. Um beim nächsten Kameraschwenk wieder unsichtbar zu sein und sich mit scheinbar größter Leichtigkeit zwischen Illusion und Wirklichkeit zu bewegen.

Musikalisch-sphärische Basis der Choreographie ist Caroline Shaws „Partita for 8 Voices“. Für das farbenreiche A-cappella-Stück wurde die amerikanische Komponistin zu einer der jüngsten Pulitzer-Preisträgerinnen gekürt. Ein Kommentar aus ihrem Vorwort inspirierte Volpi zu dem Titel „A simple piece“. Distanz wahren und sich dennoch als ein sich gemeinsam bewegender Körper verstehen: Analog zu Individualität und Zusammenklang von Stimmen in Shaws Musik lässt Volpi auf der Bühne Bewegungspattern entstehen und auseinandergehen und nutzt die musikalische Struktur des Stücks als weite Landschaft für seine Choreographie.

Zu erleben ist das halbstündige Ballett aus nächster Nähe als kostenloser Stream ab 5. März 2021 auf operavision.eu. Auch für die renommierte Opern- und Ballett Streamingplattform ist "A simple piece" eine Premiere mit besonderem Gewicht: Zum ersten Mal wird dort eine zeitgenössische Choreographie gezeigt.