Bundesverdienstkreuz für Dr. Yvonne Koch

Auszeichnung im Rathaus Düsseldorf durchgeführt

Dr. Yvonne Koch ist am Montag, 26. April 2021, das Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen worden.

Düsseldorf - Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller überreichte die Auszeichnung im Rahmen eines Empfangs im Düsseldorfer Rathaus.

Auszug aus der Vorschlagsbegründung: Dr. Yvonne Koch hat aufgrund ihres herausragenden Engagements als Zeitzeugin des Holocaust auszeichnungswürdige Verdienste erworben.

Nach Studium und Promotion als Mikrobiologin arbeitete sie beruflich im In- und Ausland, unter anderem in den USA, wo sie in der AIDS-Forschung tätig war. Seit 1986 lebt sie mit ihrem Ehemann in Düsseldorf und hat auch selbst die deutsche Staatsangehörigkeit erworben.

Als Tochter einer jüdisch-assimilierten Familie wurde Yvonne Palakova in Zilina im slowakischen Teil der damaligen Tschechoslowakei geboren. Nachdem ihr Vater, der als Arzt praktizierte, zwei geflohenen Häftlingen medizinische Hilfe geleistet hatte, zog er sich 1940 unter dem zunehmenden Druck staatlicher Verfolgung in den Untergrund zurück. Die Tochter, Dr. Yvonne Koch, besuchte damals zu ihrem eigenen Schutz ein katholisches Klosterinternat. Ihr Aufenthaltsort wurde jedoch verraten. Da sie selbst nichts über Aufenthalt und Verbleib ihrer Eltern wusste und daher keine Auskunft geben konnte, wurde sie im Jahre 1944 im Alter von 10 Jahren aus dem Internat deportiert und in einem Viehwaggon ins Konzentrationslager Bergen-Belsen verbracht.

Die Befreiung des Lagers durch britische Truppen im Frühjahr 1945 erlebte Frau Dr. Koch, an Typhus erkrankt und im Koma liegend, nicht unmittelbar. Aber sie überlebte, und nach ihrer Genesung fanden ihre Eltern, die den Krieg ebenfalls überlebt hatten, sie über einen Suchdienst wieder. Dank der geglückten Familienzusammenführung und ihrer späteren Hinwendung zum Leistungssport in der nationalen Schwimmmannschaft der Tschechoslowakei gewann Dr. Yvonne Koch Abstand zu ihren schrecklichen Kindheitserinnerungen.

Erst nachdem sie über siebzig Jahre alt war, hat sie sich dazu durchringen können, in Vorträgen vor Schülerinnen und Schülern und in Gedenkveranstaltungen über ihr Schicksal und ihre Erfahrungen öffentlich zu sprechen. Es wurde ihr wichtig, mit der jungen Generation über die Vergangenheit zu reden und sie aus den geschilderten eigenen Erfahrungen Lehren für die Zukunft ziehen zu lassen. Nachdem Dr. Yvonne Koch im Jahre 2009 an einer Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide teilgenommen und dort erstmals zur Schilderung ihrer Lebenserfahrungen ans Rednerpult getreten war, hat sie sich dazu entschlossen, ihre Geschichte und damit zugleich eine dunkle Episode der deutschen und europäischen Geschichte der Nachwelt und insbesondere der heutigen Jugend als Zeitzeugin zu veranschaulischen und nahezubringen.

Seit 2009 nimmt sie in Begleitung ihres Ehemannes alljährlich an den Veranstaltungen der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten teil. Im Alter von 75 Jahren hat sie auch ein Buch über ihre Kindheitserinnerungen geschrieben, das 2012 unter dem Titel "Ein paar Handschuhe. Die Lebensgeschichte von Yvonne Koch" veröffentlicht wurde. Die besagten Handschuhe hatte eine russische Mitgefangene im Konzentrationslager Bergen-Belsen aus Fäden von Wolldecken selbst gestrickt und ihr geschenkt - als eines der wenigen Zeichen der Mitmenschlichkeit in einer Zeit unmenschlicher Haftbedingungen. Diese Handschuhe hat Yvonne Koch zeitlebens aufbewahrt und der "Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen e. V." als Exponat für die Ausstellung in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers überlassen.

Anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht nahm Dr. Yvonne Koch 2018 an einer Gedenkstunde im niedersächsischen Landtag teil, zu der sie als Überlebende des Holocaust im Gedenken an unmenschliche Verhältnisse und Ereignisse im Nationalsozialismus und zugleich in der Ermahnung vor totalitären Gefahren auch in Gegenwart und Zukunft eine Ansprache hielt.

In regelmäßigen Abständen tritt sie vor der jungen Generation als Zeitzeugin auf. Zuletzt im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs vor Schülergruppen mehrerer Gymnasien im März 2020 im nordrhein-westfälischen Landtag hat Dr. Yvonne Koch eine eindringliche Botschaft an die Nachwelt in das Gästebuch des Landtags geschrieben: "Wer in einer Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf."