Barmer-Report: Zahl der Pflegebedürftigen steigt stärker als angenommen

Kassenchef: Deutschland steuert auf dramatischen Pflegenotstand zu

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt stärker als angenommen.

Berlin - Das geht aus Hochrechnungen für den Barmer-Pflegereport hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Bis zum Jahr 2030 wird es voraussichtlich mit insgesamt rund sechs Millionen Pflegebedürftigen mehr als eine Million Betroffene mehr geben als bisher erwartet, während nach vorsichtigen Annahmen mehr als 180.000 Pflegekräfte fehlen werden.

Der Studie zufolge wird im Jahr 2030 insgesamt eine Million Menschen vollstationär und 1,17 Millionen durch ambulante Pflegedienste versorgt. Dies entspreche einem Anstieg um gut 200.000 Betroffene - ein Plus von 26 Prozent - in Pflegeheimen und 165.000, die ambulant von Pflegediensten versorgt werden - ein Plus von 16 Prozent. Zudem würden in weniger als zehn Jahren knapp drei Millionen Pflegebedürftige ausschließlich von ihren Angehörigen gepflegt und damit rund 630.000 mehr als im Jahr 2020.

Dem Report zufolge fehlen auf der anderen Seite bis zum Jahr 2030 etwa 81.000 Pflegefachkräfte sowie 87.000 Pflegehilfskräfte mit und 14.000 ohne Ausbildung. Dabei wurde im stationären Bereich die vollständige Umsetzung des Personalbemessungsverfahrens in Pflegeeinrichtungen, das mehr Fach- und Hilfskräfte vorsieht, noch gar nicht berücksichtigt.

"Angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger und der bereits heute großen Zahl an fehlenden Pflegekräften ist Deutschland auf dem besten Wege, in einen dramatischen Pflegenotstand zu geraten", warnte Barmer-Chef Christoph Straub. Um dies abzuwenden, müsse die künftige Bundesregierung vor allem die Ausbildung attraktiver machen. "Es muss mehr Nachwuchs für die Pflege gewonnen werden", forderte Straub.

Die Barmer dringt zudem auf eine Entlastung bei den Eigenanteilen für Pflegebedürftige in Heimen. Vor allem müssten die Bundesländer endlich ihrer Pflicht nachkommen, die Investitionskosten für stationäre Pflegeeinrichtungen zu übernehmen. Bisher stellten die Pflegeheime dies in der Regel den Bewohnerinnen und Bewohnern in Rechnung. Zudem sollten die Leistungsbeträge der Pflegeversicherung einmalig angehoben und dann regelmäßig dynamisiert werden.

(xity, AFP)