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9 Mal um die Erde

Extremausteiger "Gangerl" im Interview

Es ist der Traum den viele haben. Alles stehen und liegen lassen und sich die Welt anschauen. Für viele bleibt es ein Leben lang auch nur ein Traum. Ein Mann aus dem Bayrischen Rodung konnte mit dem Traum nicht leben und erlebt ihn seit 30 Jahren.

Wolfgang Clemens, Jahrgang 1941, gelernter Kunstschmied und echter Draufgänger, führt ein abenteuerliches Leben. 1975 begann er auf dem Hof seiner Firma im bayerischen Roding mit dem Bau seiner 15 Meter langen und 4 Meter breiten Stahl-Segelyacht. Nebenbei betrieb er ein gut besuchtes Wirtshaus mit Hotel, wurde zweimal zum Faschingsprinz gekürt, restaurierte Oldtimer und nutzte jede weitere freie Minute für seine adrenalinreichen Hobbies. Beim Drachenfliegen auf Lanzarote knallte „Gangerl“, wie ihn seine Freunde nennen, aus 20 Metern Höhe auf die Felsen und im Altmühltal sogar aus 35 Metern auf die Erde. Lange Krankenhausaufenthalte reichten sich die Hand. Fatale Folgen hatte auch der Charter-Urlaub 1981 in Griechenland. 72 Tage musste er mit Freunden im Gefängnis verbringen, da sie einige Scherben von antiken Amphoren nach dem Tauchen als Souvenir mit nach Hause nehmen wollten.
1988 verkaufte Wolfgang Clemens Firma sowie alle Besitztümer und begann seine Weltumsegelung in Regensburg. Donauabwärts ging es Richtung Mittelmeer und über den Atlantik. Nach einem Aufenthalt in der Karibik folgte die Reise in die Südsee, wo er sich sechs Jahre aufhielt. Der Weltenbummler hangelte sich von einer traumhaften Insel zur nächsten und lebte des Öfteren mehrere Monate inmitten mancher Stämme. Auf dem Weg in die Antarktis überlebte er den Jahrhundertzyklon „Polly“. Sechs Tage dauerte das Inferno mit bis zu 20 Meter hohen Wellen und bescherte ihm etliche Rippenbrüche sowie schwere Sturmschäden an seiner Yacht. Später segelte er nach Papua-Neuguinea, bereiste das Hochland und den dichten Dschungel. Dabei machte er Bekanntschaft mit von der Außenwelt abgeschieden lebenden Stämmen, darunter auch die letzten aktiven Kannibalen.
Einige Jahre vor der Geiselnahme der Familie Wallert auf den Philippinen erlebte Gangerl ganz in der Nähe den schlimmsten der zahlreichen Überfälle auf ihn. Dabei musste er nachts zwei Piraten erschießen und schwer verletzt mit seiner Yacht nach Borneo in sichere Gewässer fliehen. Auch sein Freund Jürgen Kantner und dessen Freundin hatten 2016 Bekanntschaft mit der Piraterie in der Sulusee gemacht, doch mussten sie dabei ihr Leben lassen.
Jahre später trampte er von Kapstadt bis nach München und legte während dieser zweijährigen Reise durch knapp 30 Länder des schwarzen Kontinents über 50.000 Kilometer zurück. Zudem bestieg er viele hohe Berge, bereiste die gesamte Seidenstraße und war fast in jedem Land Asiens. Über 6.000 Tauchgänge zählt er mittlerweile, wobei die Aufnahmen von seiner Mund-zu-Mund-Fütterung mit Muränen vom Internationalen Amateur-Filmverband mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurden.
Mittlerweile ist der Grenzgänger seit über 30 Jahren unterwegs, hat circa einhundert Länder bereist und legte 100.000 Seemeilen sowie 180.000 Kilometer auf dem Landweg zurück. Das entspricht einer Strecke von neun Weltumrundungen oder einmal von der Erde zum Mond. Er wagte sich in die wildesten Gebiete dieser Erde auf der Suche nach Primitivkulturen und entkam dem Tod schon viele Male nur um Haaresbreite. Ob horrende Stürme, Piratenüberfälle, Diebstähle, Krankheiten oder Knast, diesen Mann konnte bisher nichts stoppen.


9 Mal um die Erde
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