"700 Jahre St. Sebastianus Schützenverein"

Sonderausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf

Zum Jubiläum der St. Sebastianus Schützen präsentiert das Stadtmuseum fast 250 Exponate der Vereins- und Stadtgeschichte in der Sonderausstellung "Soziale Stadt - 700 Jahre St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf 1316 e.V.".

Düsseldorf - Im Zentrum der Ausstellung befinden sich der Heilige Sebastian und die Urkunde der Statuten aus dem Jahr 1435. Sie stehen gemeinsam für die Grundsätze der Sozialen Stadt: Toleranz, Gleichberechtigung, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Die Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Thomas Geisel läuft vom 13. Februar bis 24. Juli.

119 Jahre älter in einer Stunde
Bei der Mitgliederversammlung am 17. November 1954 wurde der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf 1316 e.V. innerhalb einer Stunde 119 Jahre älter. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Verein auf die vorgefundene Erneuerungsurkunde von 1435 bezogen. Eine Urkunde, die das Jahr 1316 belegt, wurde nämlich bis heute nicht gefunden. Die Chroniken erwähnen lediglich ein Bruderschaftsbuch. Dort war notiert, 1316 sei in Düsseldorf ? 1288 zur Stadt erhoben ? eine Bruderschaft unter dem Schutz des heiligen Sebastian gegründet worden, die sich der Pflege von Pestkranken annahm. Das Bruderschaftsbuch ist offenbar beim Pfingstangriff 1943 in St. Rochus verbrannt. St. Sebastianus, der römische Soldat und Märtyrer, der 288 in Rom für sein christliches Bekenntnis hingerichtet wurde, wird als Schutzheiliger für die Brunnen gegen die Pest angerufen. Die Pfeile im Wappen der Sebastianer beziehen sich sowohl auf die Marterwerkzeuge des Heiligen wie auch auf die Armbrüste, mit denen in den Anfangszeiten die Schützen auf den Vogel schossen.

Gemeinschaft macht stark
Der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf 1316 ist einer der wichtigsten Träger des Brauchtums in der Stadt. In ihrer Jahrhunderte alten Geschichte erlebte diese Gemeinschaft Gleichgesinnter Pest, Hungersnöte, Kriege, Revolutionen und Inflation und erfand sich wie Phönix aus der Asche immer wieder neu. Auch wenn sich der Verein von einer kirchlichen Bruderschaft loslöste, blieben die Mitglieder christlichen Grundwerten immer treu.

Die Schützengesellschaften sind eng mit dem politischen und wirtschaftlichen Aufstieg der Städte verbunden. Der Verein nahm bereits in den Anfängen auch Frauen als Mitglieder auf, und nach der Reformation stand er auch evangelischen Christen offen. Bei der Gründung spielten die Zünfte der Handwerker als Vorbild eine wichtige Rolle. Die Gemeinschaft war auch eine soziale Errungenschaft. Die Mitglieder lebten nicht nur Geselligkeit vor, sondern unterstützten verarmte Mitglieder, fingen Waisenkinder auf. Caritas und christliche Verantwortung wirken bis heute fort.

Im Wandel der Zeiten
Die andere Wurzel der Schützengesellschaft ist der Soldatenheilige Sebastianus. Das Schießen mit Armbrüsten oder Pfeil und Bogen war nicht nur sportlicher Wettkampf, sondern auch Ausdruck wehrhafter Bürger. Auf der Liste der bekannten Schützenkönige steht allerdings eine Frau an erster Stelle: 1594 wurde Herzogin Jakobe von Baden erste Schützenkönigin.

In der Residenzstadt Düsseldorf gab es von jeher ein gutes Miteinander von Obrigkeit, Stadt und Schützen. Landesfürsten wie Herzog Wilhelm IV. von Jülich-Berg und Kurfürst Johann Wilhelm ("Jan Wellem") förderten den Schützenverein und stifteten für das Schützensilber. Die Franzosenzeit 1795 bis 1801 bedeutete wegen des Verbots von Schützenfesten erneut einen Einschnitt in die Geschichte des Schützenbrauchtums. Erst mit den Preußen konnte der Schützenverein seine Tradition fortsetzen. In die gescheiterte deutsche Revolution von 1848 wurde auch der St. Sebastianus Schützenverein hineingezogen. Sein damaliger Chef Lorenz Cantator unterstützte die Revolutionäre und musste später nach Nordamerika fliehen. Die von ihm dem Verein gestiftete schwarz-rot-goldene Fahne befindet sich noch heute im Rathaus.

Die Soziale Stadt
Von der Gründung bis heute ist der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf ein Zusammenschluss von Bürgern, die soziale Verantwortung übernehmen. Nicht nur den Mitgliedern in den eigenen Reihen wird geholfen, wenn sie in Not geraten. Ein Zeichen für soziales Engagement setzt auch der Stephanien-Preis, benannt nach der Düsseldorferin Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen ("Engel der Armen"), der späteren Königin von Portugal. Dem Schützenverein liegt das Miteinander der Generationen am Herzen. Er veranstaltet Seniorenfeiern zum Schützenfest und hat ein eigenes Seniorenwohnheim gebaut. Sozial ist aber nicht nur die Fürsorge, sondern auch das gesellige Miteinander.

Schützen 2.0
Mit den über Jahrhunderte bewährten Prinzipien von Kameradschaft und Solidarität widersteht der St. Sebastianus Schützenverein dem neoliberalen Zeitgeist, der die Optimierung des Individuums feiert. Das alljährliche Schützenfest und die größte Kirmes am Rhein, die Jahr für Jahr ? je nach Wetterlage ? mehrere Millionen Besucher anlocken, sind das Verbindungsglied zwischen Moderne und Tradition.

Lothar Inden, seit zehn Jahren Chef des Schützenvereins, will seine 1400 Aktiven in eine gute Zukunft führen. Er betont, dass die Düsseldorfer Sebastianer keine Bruderschaft, sondern ein Verein sind. Sie bekennen sich zu ihren christlichen Wurzeln, sind aber in ihrer Praxis viel offener. Der Schützenverein fragt nicht nach Konfession und Glauben. Auch die Frage verheiratet, Lebenspartner oder Single spielt keine Rolle mehr. Frauen sind als Mitglieder dabei ? wenn auch in der Minderheit. Noch vor Geselligkeit und Schießsport kommt soziales Engagement. Wer das Schützenleben akzeptiert und sich in die Gemeinschaft aktiv einbringt, ist willkommen. Das gilt auch für die Integration von Flüchtlingen, die große gesellschaftliche Herausforderung unserer Tage.

Die Exponate
Die Ausstellung im Stadtmuseum, Berger Allee 2, umfasst 250 Exponate. Sie sind in eine multimediale künstlerische Installation eingebettet. Es handelt sich hierbei um hochkarätige Objekte der Kunst und Geschichte der Stadt. Im Mittelpunkt stehen die Statuten, Urkunden aus dem 15. Jahrhundert. Originale Handschriften des 17. und 18. Jahrhunderts begleiten sie. Das kostbare Schützensilber stammt aus dem Besitz legendärer Schützenkönige und Düsseldorfer Herrscherpersönlichkeiten wie Jakobe von Baden, Jan Wellem oder Carl Theodor. Im 19. Jahrhundert zeugt ein eigenhändiges Schreiben von Lorenz Cantador mit Fahne von der Geschichte der bürgerlichen Revolution. Weitere Exponate erinnern an die Zeit des Nationalsozialismus mit Satzungen, Medaillen und Entnazifizierungsakten. Via Instagram können auch aktuelle Fotos gepostet werden, die direkt in der Ausstellung erscheinen.