14.11.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> 600 Jahre alter musikalischer Schatz gehoben

600 Jahre alter musikalischer Schatz gehoben

Ungewöhnliche Handschriften gefunden

Anlässlich des diesjährigen europäischen Mittelalterfestivals „Soester Fehde“ am ersten Augustwochenende, veranstaltet die Stadt Soest ein Konzert mittelalterlicher Gesänge.

Soest - Zum Ausklang der diesjährigen Fehde-Veranstaltung bietet die alte Hansestadt Soest am Sonntag, dem 4. August 2019 um 11:30 Uhr in der ehemaligen Klosterkirche Neu St. Thomä ein außergewöhnliches Konzert für Freunde mittelalterliche Gesänge, aber auch für Interessierte, die sich intensiver für die Historie und die Hintergründe mittelalterlicher Musik im Allgemeinen begeistern.

Zum Hintergrund: Aus dem 13. bis 15. Jahrhundert existieren reich illustrierte Handschriften aus dem Frauenkloster Paradiese bei Soest, die von den Dominikanerinnen selbst angefertigt wurden.
Bereits 1997 lenkte der Soester Verein für Geschichte und Heimatpflege mit einer Ausstellung und der Publikation „Gotische Buchmalerei aus Westfalen“ die Aufmerksamkeit auf die Choralbücher der Frauenklöster in Paradiese (einem Ortsteil von Soest) und der Nachbarstadt Werl. Seit 2007 befasste sich dann zehn Jahre lang ein internationales Forscherteam aus Historikern, Kunsthistorikern und Musikwissenschaftlern mit diesen liturgischen Handschriften.

Nach einem Jahrzehnt intensiver Forschung wurden die Ergebnisse in dem monumentalen Werk „Liturgical Life and Latin Learning at Paradies bei Soest, 1300-1425“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie führen nicht weniger als zu einer Revision der Einschätzung jener Epoche im Allgemeinen und der Geschichte der Frauenklöster im Besonderen.

Von einer Zeit des geistigen oder institutionellen Verfalls kann daher keineswegs mehr die Rede sein. Im Gegenteil: Die schönsten und unkonventionellsten liturgischen Bücher schrieben und illustrierten die Dominikanerinnen des Frauenklosters Paradiese für die eigene Gemeinschaft, aber vermutlich auch für ihre männlichen Ordensbrüder. Dabei wurde die Liturgie mit eigenen Kompositionen und rund tausend lateinischen Beischriften liebevoll kommentiert und ausgedeutet. Eine Besonderheit, da die meisten Frauen im Mittelalter weder lesen noch schreiben konnten. Sie zählen zu den ungewöhnlichsten Handschriften des gesamten Mittelalters – in künstlerischer, musikalischer und auch intellektueller Hinsicht.

Nach über 600 Jahren wurde dieser „Schatz“ nun gehoben und eine musikalische Darbietung im Rahmen der Soester Fehde ins Programm genommen. In Kooperation mit dem Westdeutschen Rundfunk und der Frauenschola Ars Choralis Coeln entstand bereits eine CD, die inklusive einer Informationsbroschüre erworben werden kann.

Die Frauenschola Ars Choralis Coeln unter der Leitung von Maria Jonas hat sich seit mehr als zehn Jahren Konzerten mit Musik des Mittelalters, vor allem mit Werken Hildegard von Bingens, einen Namen gemacht. Das Kölner Ensemble hat sich intensiv mit den Paradieser Chorälen beschäftigt und wird sie nun auf Einladung des Soester Geschichtsvereins und der Wirtschaft und Marketing Soest GmbH in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde St. Thomä präsentieren.

Dem Konzert geht ein einführender Vortrag voraus.

Eintritt: 14,00 Euro / Ermäßigt 11,00 Euro / Vorverkauf: www.hellwegticket.de


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