Bundeskanzlerin Merkel an Gedenkort für NSU-Opfer in Zwickau

Ministerpräsident Kretschmer: Rechtsextremismus entgegen stellen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Gedenkort für die NSU-Opfer im sächsischen Zwickau besucht. Merkel legte dort eine Blume nieder und gedachte der zehn von den Rechtsterroristen getöteten Menschen.

by xity deutschland 2019-11-04T13:35:05+0100

Bundeskanzlerin Merkel an Gedenkort für NSU-Opfer in Zwickau (© 2019 AFP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Gedenkort für die NSU-Opfer im sächsischen Zwickau besucht. Merkel legte dort am Montag eine Blume nieder und gedachte der zehn von den Rechtsterroristen getöteten Menschen. In der sächsischen Stadt, in der das NSU-Trio jahrelang lebte und seinen letzten Unterschlupf hatte, wurden für alle NSU-Opfer Bäume gepflanzt und Gedenktafeln angebracht. Erst am Sonntag war der neue Gedenkort eingeweiht worden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der die Kanzlerin begleitete, betonte, Sachsen sei "ein fröhliches, weltoffenes Land - und das muss auch so bleiben". "Wir stellen uns Rechtsextremismus entschieden entgegen, für Demokratie, Meinungsfreiheit, eine offene Diskussionskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt", schrieb Kretschmer auf Twitter. Zuvor hatte Merkel in Zwickau an einem Festakt zum Produktionsstart des elektrischen Volkswagen-Modells ID.3 teilgenommen.

Anfang Oktober war in der Stadt ein erst kurz zuvor gepflanzter Gedenkbaum für das erste NSU-Mordopfer Enver Simsek abgesägt worden. Ein Täter wurde bisher nicht gefasst. Die Stadt richtete ein Spendenkonto ein, auf dem bislang rund 14.000 Euro eingingen. Davon wurden nun die Gedenkbäume und Erinnerungstafeln finanziert. Der Stumpf des abgesägten Baums blieb zunächst als Mahnung stehen.

Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten den türkischen Blumenhändler Simsek im September 2000 in Nürnberg erschossen. Der Mord an dem Familienvater war der Auftakt der NSU-Mordserie mit insgesamt zehn Todesopfern. Auch in anderen Städten gibt es Gedenkorte für die NSU-Opfer. Berichten zufolge kam es bereits in fünf der acht Städte mit solchen Mahnmalen zu Schändungen der Gedenkorte.

Vor acht Jahren wurde der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) erstmals in der Öffentlichkeit bekannt. Am 4. November 2011 begingen Böhnhardt und Mundlos nach einem Überfall auf eine Bank in Eisenach in einem Wohnmobil mutmaßlich Suizid. Am selben Tag kam es zu einem schweren Brand im letzten Unterschlupf des Trios in Zwickau, der vermutlich vom NSU-Mitglied Beate Zschäpe gelegt wurde, um Beweismittel zu vernichten. Zschäpe verschickte mehrere Bekenner-DVDs. Nach mehrtägiger Flucht stellte sie sich am 8. November. Im Sommer vergangenen Jahres wurde Zschäpe in München zu lebenslanger Haft verurteilt.

© 2019 AFP

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