Bericht: Wirecard-Insolvenzverwalter verklagt Ex-Chef Braun auf Schadenersatz

Braun und Ex-Mitarbeiter sollen laut "SZ" 140 Millionen Euro zurückzahlen

Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat Ex-Wirecard-Chef Markus Braun und weitere Ex-Manager nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auf Schadenersatz in Höhe von 140 Millionen Euro verklagt. Es geht dabei um angeblich leichtfertig vergebene Großkredite.

by xity deutschland 2022-01-14T02:35:42+0100

Bericht: Wirecard-Insolvenzverwalter verklagt Ex-Chef Braun auf Schadenersatz (© 2022 AFP)

Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat Ex-Wirecard-Chef Markus Braun und weitere Ex-Manager nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" beim Landgericht München I auf Schadenersatz in Höhe von 140 Millionen Euro verklagt. Es gehe dabei um angeblich leichtfertig vergebene Großkredite, berichtete die SZ in ihrer Freitagsausgabe. Seit fast eineinhalb Jahren sitzt Markus Braun in Untersuchungshaft, eine Anklage wegen schwerer mutmaßlicher Wirtschaftsdelikte steht bevor.

Die Schadenersatzklage richtet sich auch gegen den untergetauchten Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Verklagt wird zudem Ex-Aufsichtsrat Stefan Klestil und ein weiteres früheres Mitglied des Kontrollorgans. Ihnen allen wird dem Vernehmen nach vorgeworfen, an einer leichtfertigen Kreditvergabe mitgewirkt oder diese nicht verhindert zu haben.

Braun weist seit der Pleite des Dax-Konzerns Mitte 2020 alle Vorwürfe zurück. Ein Sprecher Brauns sagte der SZ, Braun habe Anfang 2022 von einer gegen ihn und andere gerichteten Klage erfahren. Braun weise die geltend gemachten Ansprüche "vollumfänglich zurück" und werde sich gegen die Klage verteidigen. "Die Klageschrift unterstellt einen Sachverhalt, der tatsächlich nicht zutrifft und durch Fakten widerlegt ist."

Bei der Schadenersatzklage und den Arrestbeschlüssen geht es um hohe Kredite, die der Wirecard-Konzern dem in Singapur ansässigen Unternehmen Ocap gewährt hatte. Nach Erkenntnissen von Insolvenzverwalter Jaffé schulden Ocap und eine Ocap-Tochtergesellschaft in Luxemburg dem Wirecard-Konzern insgesamt 230 Millionen Euro. Der Verbleib des größten Teils des Geldes ist laut SZ offenbar unklar.

Das von dem ehemaligen Wirecard-Manager Carlos H. geleitete Unternehmen Ocap galt einst als strategischer Partner von Wirecard und sollte mit dem geliehenen Geld Händlergeschäfte vorfinanzieren. Erträge aus diesen Geschäften sollten dann dem Finanzdienstleister Wirecard zugutekommen. Der Vorstand von Wirecard hatte laut SZ mit Billigung von Aufsichtsratsmitgliedern über Jahre hinweg immer mehr Kredite an Ocap vergeben. Als Michael Jaffé nach der Wirecard-Pleite dort als Insolvenzverwalter eingesetzt wurde, war bei Ocap kein Geld mehr vorzufinden. Inzwischen ist das in Singapur ansässige Unternehmen ebenfalls pleite.

Ein Sprecher von Ex-Aufsichtsrat Klestil erklärte der SZ gegenüber, es sei bei Wirecard gelungen, alle Kontrollinstanzen inklusive Aufsichtsrat zu täuschen. Klestil sei von dem mutmaßlichen Betrug bei Wirecard ebenso betroffen wie viele andere. Er habe das höchste Interesse daran, dass alle Anleger so rasch als möglich Klarheit und volle Information über die bekannt gewordenen Vorgänge bei Wirecard erhalten.

Die Klage zielt laut SZ letztlich auf jene Versicherungsunternehmen, bei denen Wirecard Manager-Haftpflichtpolicen abgeschlossen hatte. Diese Versicherungen treten jedoch nur dann ein, wenn den betroffenen Vorständen und Aufsichtsräten keinerlei vorsätzliche beziehungsweise wissentliche Pflichtverletzungen oder gar Beteiligungen an Straftaten vorgeworfen werden kann.

Bei der Insolvenz des Finanzdienstleisters Wirecard handelt es sich um einen der größten Wirtschaftsskandale der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. Die Wirecard-Chefetage soll über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben, um das Unternehmen über Wasser zu halten und Kredite zu erschwindeln. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Asien liegen sollen, sind nicht auffindbar. Seit Juli 2020 sitzt Braun in Untersuchungshaft.

© 2022 AFP

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