„Eine Frage der Solidarität“

Kreis-Azubis helfen im Impfzentrum aus

13 Auszubildende der Kreisverwaltung sind seit Tag 1 des erneuten Impfbetriebs in Ennepetal im Einsatz.

by xity nrw 2021-12-17T14:43:07+0100

Beim Check-out händigt Selina Demirel den Impflingen ihre Unterlagen inklusive QR-Code für den digitalen Impfnachweis aus. (Foto: Ennepe-Ruhr-Kreis)

Ennepetal - Als die schnelle Wiedereröffnung des Impfzentrums im November an Personalmangel zu scheitern drohte, waren sie zur Stelle: 13 Auszubildende der Kreisverwaltung sprangen ein und sind seit Tag 1 des erneuten Impfbetriebs in Ennepetal im Einsatz. „Für mich war sofort klar, dass ich mitmache, wenn Not am Mann ist. Das ist eine Frage der Solidarität.“ Joe Wöstenberg ist 24 Jahre alt, angehender Verwaltungswirt und nimmt in der Impfstelle die Menschen in Empfang, die frisch gepikst aus der Impfkabine heraustreten. Er geleitet sie in den Wartebereich, fragt sie nach ihrem Befinden, stellt den Wecker auf die vorgegebenen 15 Minuten ein und behält im Blick, ob es allen gut geht.

Wenn alles glatt läuft, schickt er seine Schützlinge nach einer Viertelstunde zum Check-out. Dort sitzt unter anderen Selina Demirel, kopiert Unterlagen und gibt QR-Codes für den digitalen Impfnachweis aus. Auch die 22-Jährige lernt Verwaltungswirtin. „Ich bin immer gerne bereit, andere Sachen zu machen, etwas Neues auszuprobieren. Deshalb war ich sofort motiviert, als wir gefragt wurden.“

Rückblick: Am 9. November fordert das Land die Kreise und kreisfreien Städte per Erlass dazu auf, wieder stationäre Impfangebote einzurichten. Die Vorbereitungen im Ennepe-Ruhr-Kreis laufen auf Hochtouren: Das ehemalige Impfzentrum wird für den erneuten Impfbetrieb fit gemacht, in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung werden Impfteams organisiert, Termine werden eingepflegt. Acht Tage nach der Ansage aus Düsseldorf soll es losgehen. Aber es gibt ein Problem: Außer dem medizinischen Fachpersonal werden zahlreiche Mitarbeiter für den reibungslosen Betrieb des Impfzentrums benötigt. Vor Schließung der Impfzentren Ende September hatte das DRK im Auftrag des Kreises das Personal gestellt – doch diese Mitarbeiter sind längst wieder in ihren regulären Jobs aktiv und mehrheitlich nicht kurzfristig verfügbar.

Also bittet die Kreisverwaltung ihre Auszubildenden um Mithilfe – und bekommt so innerhalb kürzester Zeit ein Team aus einigen erfahrenen DRK-Kräften und unerfahrenen, aber hochmotivierten Azubis zusammen. Ein Team, das von Beginn an wunderbar funktioniert. „Die Kollegen vom DRK haben uns am ersten Tag eine Einführung in die vier verschiedenen Aufgaben gegeben, erklärt, was wir beim Check-in und Check-out sowie in den zwei Wartebereichen zu machen und zu beachten haben. Sie sind alle sehr nett und die Stimmung ist gut, fast familiär. Wenn uns etwas unklar ist, können wir jederzeit fragen“, erzählt Demirel.

Weil es immer wieder auch kurzfristige Änderungen gibt, beispielsweise was den verfügbaren Impfstoff betrifft, findet vor Schichtbeginn um 12.00 Uhr jeweils eine kurze Besprechung mit dem Leiter der koordinierenden Impfeinheit Dr. Christian Füllers statt. So sind immer alle auf demselben Stand.

„Als wir angekündigt haben, am 17. November als landesweit eine der ersten Impfstellen wieder an den Start zu gehen, war die Nachfrage riesengroß. Die 1.250 Termine, die wir für die ersten zwei Wochen eingestellt hatten, waren ruckzuck weg. Zusätzlich wollten wir Impfen ohne Termin anbieten, so einfach wie möglich. Wir wussten also nicht, was uns an Tag 1 erwarten würde – und das mit einem völlig neu zusammengewürfelten Team. Etwas Achselschweiß war schon dabei“, erinnert sich Dr. Füllers schmunzelnd. Auch im Kreishaus blickte man nicht ohne Sorge auf den 17. November. „Wir müssen so ehrlich sein, zu sagen: Beim Neustart der stationären Impfstelle in Ennepetal wird es ruckeln und Impf-Enttäuschungen können keineswegs ausgeschlossen werden“, hieß es zwei Tage im Voraus in einer Pressemitteilung.

Tatsächlich war der Ansturm groß – 522 Menschen wurden zwischen 12 und 19 Uhr geimpft –, aber er war zu bewältigen. Und er wurde bewältigt, ohne allzu großes Geruckel. „Es waren so viele Leute da, schon Stunden, bevor wir aufgemacht haben“, erinnert sich Demirel. „Aber die allermeisten waren sehr geduldig, freundlich und dankbar.“ Und das blieb auch in den darauffolgenden Tagen so. „Wir bekommen unheimlich viel positives Feedback, ganz viele Menschen bedanken sich“, erzählt Wöstenberg. „Eine ältere Dame, die nicht mehr so gut zu Fuß war, habe ich bis zu ihrem Auto begleitet. Sie war so dankbar, dass sie Tränen in den Augen hatte. Das sind Momente, die vergisst man nicht mehr.“

Wegen all dieser Erfahrungen ist sich Laura Quasigroch, Ausbildungsbeauftragte bei der Kreisverwaltung, sicher, dass die Einsätze in der Impfstelle für die Auszubildenden wertvoll sind. „Sie müssen als Team zusammenarbeiten, sind in intensivem Kontakt mit Bürgern, müssen mit unterschiedlichen, auch schwierigen Situationen umgehen. Davon können sie viel mitnehmen für ihr späteres Arbeitsleben.“ Tatsächlich hat Demirel schon jetzt eine Lehre aus der Arbeit in der Impfstelle gezogen. „Die Arbeit hier ist intensiv, es ist sehr viel Action um einen herum. Das hat mir auch gezeigt, in welche Richtung ich beruflich gehen möchte. Ich will in einem Bereich arbeiten, in dem ich viel Kontakt mit Menschen habe“, sagt sie. „Das ist mein Ding.“

 


 



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