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Welthungerhilfe fordert mehr Respekt für Lebensmittel

Welthungerhilfe fordert mehr Respekt für Lebensmittel 27.03.2012

"Viel mehr als eine angefaulte Mango" - Konferenz zur Nahrungsmittelverschwendung

| Di. 27.03.2012 09:05 |
 
 
Die Welthungerhilfe fordert angesichts der gigantischen Lebensmittelverschwendung in Deutschland ein generelles Umdenken: Generalsekretär Wolfgang Jamann rief die Verbraucher in Deutschland dazu auf, mehr importierte Produkte aus fairem Handel zu kaufen und dafür höhere Preise in Kauf zu nehmen.
Berlin (dapd). Die Welthungerhilfe fordert angesichts der gigantischen Lebensmittelverschwendung in Deutschland ein generelles Umdenken: Generalsekretär Wolfgang Jamann rief die Verbraucher in Deutschland dazu auf, mehr importierte Produkte aus fairem Handel zu kaufen und dafür höhere Preise in Kauf zu nehmen. Die Verbraucher sollten die verbreitete Wegwerfmentalität infrage stellen, sagte Jamann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Laut einer Studie werfen deutsche Privathaushalte jedes Jahr 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel weg, zwei Drittel wäre noch genießbar gewesen. An erster Stelle stehen Gemüse, gefolgt von Obst und Backwaren. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hat für diesen Dienstag zu einer Konferenz mit Vertretern von Verbrauchern, Industrie, Landwirtschaft Handel und Entwicklungsorganisationen eingeladen, um über Gegenstrategien zu beraten. Die Welthungerhilfe wird von ihrer Präsidentin Bärbel Dieckmann repräsentiert. Es müsse den Verbrauchern klar werden, dass sie sehr viel mehr wegwerfen als eine angefaulte Mango, sagte Jamann. "Darin stecken auch Ressourcen, - Wasser und Boden - die immer knapper werden. Das werfen wir im Prinzip alles mit weg. Deshalb ist Verschwendung von Lebensmitteln auch eine Vergeudung von Lebenskraft." Es gebe einen indirekten Zusammenhang zwischen der Verschwendung von Lebensmitteln und Armut und Hunger in der Dritten Welt. In den reichen Ländern der nördlichen Halbkugel werde für Lebensmittel in der Regel zu wenig gezahlt. "Industriell hergestellte Lebensmittel werden sehr, sehr günstig verkauft. In Deutschland geben wir 12 Prozent des Einkommens für Lebensmittel aus." Oft würden aber auch die Kleinbauern in der Dritten Welt nicht angemessen für ihre Exportprodukte, etwa exotische Früchte, bezahlt. Zudem müssten sie bei den Produkten, die sie auf ihren lokalen Märkten anbieten, mit billiger Ware aus dem Norden konkurrieren. Initiativen wie Fair Trade arbeiteten diesem Trend entgegen. Ihre Produkte seien zwar etwas teuer. "Sie stellen aber sicher, das die Produzenten einen adäquaten Preis für ihr Produkt bekommen. Das ist auch ein aktiver Beitrag zur Armutsbekämpfung," sagte Jamann. Wichtig sei zudem eine gezielte Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Damit könnten Betriebe hoch produktiv sein. "Es ist ein Mythos, dass nur die großen Plantagen hoch produktiv sind, wir machen genau die gegenteilige Erfahrung", sagte Jamann. dapd
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