Augsburg (dapd-bay). Nach dem Kauf der LBBW-Wohnungen in Baden-Württemberg nimmt das Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia AG auch die bayerische Wohnungsgesellschaft GBW ins Visier. Man werde sich auch um dieses Unternehmen bemühen, kündigte der Leiter der operativen Geschäftsfelder, Klaus Schmitt, am Dienstag in Augsburg an. Es handele sich um einen der interessantesten Immobilienbestände in Deutschland.
Die Bayerische Landesbank hält 92 Prozent an der GBW mit ihren 33.000 überwiegend günstigen Mietwohnungen im Freistaat. Nach dem Willen der EU muss sich die BayernLB im Zuge ihrer Restrukturierung von der Beteiligung trennen.
Damit der Mieterschutz gewährleistet bleibt, soll nach Vorstellung von Finanzminister Markus Söder (CSU) ein kommunales Konsortium zum Zuge kommen. Ein BayernLB-Sprecher bekräftigte am Dienstag, dass es zuerst "exklusive Verhandlungen" mit den Kommunen geben wird.
Nach Angaben des Vorsitzenden des Bayerischen Städtetags, Ulrich Maly, wollen die Städte und Gemeinden mit GBW-Wohnungen am Freitag eine Verhandlungskommission gründen. Sie solle unter anderem den Wert der GBW ermitteln. Söder zufolge liegt er bei mehr als 1,5 Milliarden Euro.
Dass man sich auf einen Preis verständigen wird, ist laut Maly höchst ungewiss. Ein Scheitern der Verhandlungen sei "durchaus auch wahrscheinlich", sagte der Nürnberger Oberbürgermeister. Dennoch begrüße er es, dass den Kommunen Exklusivgespräche angeboten worden seien. In einem freien Bieterwettbewerb hätten sie keine Chance. "Mit den Heuschrecken könnten wir nicht konkurrieren".
Maly verwies auf das Verfahren in Baden-Württemberg. Dort verlor das Konsortium, an dem unter anderem die Stadt Stuttgart beteiligt ist, den Poker um die etwa 21.000 Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zum Zuge kam die Augsburger Patrizia AG. Der Mieterbund befürchtet nun Eigenbedarfskündigungen, saftige Mietsteigerungen und Umwandlungen in Eigentumswohnungen. "Das ist hoffentlich kein Modell für Bayern", sagte Maly.
Die Grünen-Abgeordnete Christine Kamm nannte den Bieterwettbewerb in Baden-Württemberg ein "warnendes Beispiel". Sie sagte, der von Söder in den Raum gestellte Kaufpreis von 1,5 Milliarden Euro für die GBW sei "überzogen".
Der Sprecher der BayernLB stellte derweil klar, dass der Verkauf der Immobilientochter noch nicht begonnen habe. Vielmehr habe sich die Landesbank für den Transaktionsprozess "aufgestellt". Dazu sei die Investmentbank Lazard als Berater engagiert worden.
dapd