Frankfurt/Main (dapd-hes). Das Gesicht des Metzgers ist entstellt. Auf ihm liegt seine nackte Frau - und in ihrem Schädel steckt ein Schlachtbeil. Gleich neben der lebensgroßen Skulptur prangt ein grellbuntes Gemälde im Stil eines Cartoons: Die Extreme im Schaffen des US-amerikanischen Künstlers George Condo lassen sich bereits im ersten Raum der Ausstellung "Mental States" erahnen. Ab Mittwoch (22. Februar) ist die Schau in der Frankfurter Kunsthalle Schirn zu sehen.
Zwei Säle weiter hängen Condos berühmte imaginäre "Portraits". Die im Salonstil in enger Reihung vom Boden bis zur Decke behängte Wand bildet den Schwerpunkt der Ausstellung. Hier sticht Condos "Madonna" heraus, die mit ihren klassisch-harmonischen Proportionen an die Mona Lisa erinnert. Neben ihr finden sich verzerrte, vieräugige Fratzen. Viele von ihnen erinnern in Stil oder Motiv an künstlerische Vorgänger wie Pablo Picasso, Francis Bacon oder Rembrandt.
Genau diese Kontraste und Extreme sind charakteristisch für den Künstler. "Condos Werk lehnt sich an die alten Meister an. Gleichzeitig lässt er moderne Skepsis einfließen", sagt Max Hollein, Direktor der Schirn, am Dienstag. "Er verbindet das Klassische mit dem Grotesken, das Schöne mit dem Bizarren. Die dabei entstehenden Abgründe spiegeln das prekäre Bild unserer Zeit wider."
Der daraus resultierende, sehr eigene Stil seiner Malerei machte den 1957 geborenen Condo in den USA schon Anfang der 80er Jahre bekannt. In "Mental States" tritt dieser Stil auch in den vier anderen Themenbereichen der Ausstellung, "Pathos", "Abstraction/Figuration" ("abstrakte Figuration"), "Heads" ("Köpfe") und "Manic Society" hervor. Diese "manische Gesellschaft" stellt Condo besonders schonungslos dar, indem er die Mitglieder einer "dekadenten Glamour-Welt" zu Beginn des 21. Jahrhunderts "demaskiert", wie er selbst es in Frankfurt ausdrückt. Als die ersten Finanzblasen platzten, "war die Party vorbei".
Die Vielfalt seines Werks erklärt Condo mit seinem Bestreben, die Ideen verschiedener Epochen miteinander in Beziehung zu bringen. "Dabei haben mich Hegel oder Heidegger genauso beeinflusst wie die antiken Klassiker oder die Beat-Generation", sagt der Künstler. Mit einigen der innovativen Literaten der frühen 60er Jahre wie William S. Borroughs und Allen Ginsberg war Condo ebenso befreundet wie mit den 80er-Jahre-Malerstars Keith Haring und Jean-Michel Basquiat.
"Mental States" als Querschnitt durch sein Werk zeigt vor allem die Beschäftigung des Künstlers mit der Frage, was durch die Köpfe der Menschen gehe. Durch die "realistische Darstellung des Künstlichen" zeigten die Bilder der Ausstellung den "Wahnsinn des Alltags". "Und auch wenn sie nicht immer schön sind - ich denke, wir alle finden uns in diesen Bildern wieder", sagt Condo.
dapd