Köln - Einmal mehr feierte Köln einen Rosenmontag der Superlative. Dabei übertraf die Länge des Zuges (7 km) den Zugweg (6,7 km), so dass die ersten Gruppen schon am Ziel waren, ehe Prinz Marcus II. im letzten Wagen auf die Strecke ging. Laut Schätzungen der Polizei ließen sich 1,5 Millionen Zuschauer dieses Spektakel nicht entgehen.
Allein am Zug selbst nahmen über 12.000 Personen teil. Fast noch mehr Jubel als Marcus II., erhielt der inoffizielle "Prinz Poldi" Lukas Podolski. Der Nationalstürmer fuhr auf dem Wagen der Ehrengarde mit. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zog unterdessen Köln ihrem Amtsitz Düsseldorf vor. Weitere Prominente, die sich in den Trubel begaben waren Franziska van Almsick, Johann Lafer, Felix Sturm, Annette Frier, Christine Westermann und Reiner Calmund.
Das Wetter meinte es gestern gut mit den Jecken. Zwar kam bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt die eine oder andere Thermounterwäsche zum Einsatz, doch es blieb trocken und zeitweise trat sogar die Sonne hervor. Den meisten Andrang gab es am Startpunkt des Zuges am Chlodwigplatz, hinter dem Severinstor (erst ab hier darf Kamelle geworfen werden), dem Alter Markt und am Dom.
Zwar sind die Kölner Mottowagen nicht ganz so bissig, wie in Düsseldorf, wo Wagenbauer Jacques Tilly regelmäßig für Kontroversen sorgt, aber der politische Aspekt kommt auch in der Domstadt nicht zu kurz. Natürlich musste vor allem Ex-Bundespräsident Christian Wulff nach seinem Rücktritt Häme einstecken. Auf einem Wagen zog ihn ein deutscher Michel aus einem viel zu großen Anzug. Zum Vorschein kam viel Geld und ein Wulff in Zwergengröße. Neben weiteren bundes- und weltpolitischen Themen (z.B. die Beziehung zwischen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, dem russischen Demokratieverständinis oder dem Wirtschaftsboom in der Türkei) wurden auch lokale Ereignisse in Szene gesetzt. Unter anderem zeigte ein Wagen den Stellenabbau beim Bundeswehrstandort Köln.
Nach dem Ende des Zuges am frühen Abend verteilten sich die Feierwütigen in die Party-Viertel der Stadt oder die Lieblingskneipe im jeweiligen "Veedel". Wer fleißig aufgepasst hatte, musste sich nicht mehr um süße Verpflegung sorgen, denn bei den 300 Tonnen Süßigkeiten, die von den Zugteilnehmern unter die Leute gebracht wurden, dürfte für jeden etwas dabeigewesen sein.