Rosenmontagszüge hochaktuell: Wulff als gerupfter Bundesadler
Ex-Bundespräsident im Blickpunkt der rheinischen Umzüge
Christian Wulff als gerupfter Bundesadler oder in Unterhose ohne Anzug: Der Ex-Bundespräsident hat bei den Rosenmontagszügen viel Spott und Häme kassiert. Millionen gut gelaunte und bunt verkleidete Jecken bejubelten am Montag die traditionellen Umzüge in den rheinischen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf. Hier und da zeigte sich sogar die Sonne.
Köln/Düsseldorf (dapd-nrw). Christian Wulff als gerupfter Bundesadler oder in Unterhose ohne Anzug: Der Ex-Bundespräsident hat bei den Rosenmontagszügen viel Spott und Häme kassiert. Millionen gut gelaunte und bunt verkleidete Jecken bejubelten am Montag die traditionellen Umzüge in den rheinischen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf. Hier und da zeigte sich sogar die Sonne. Wulff hatte mit seinem Rücktritt die Wagenbauer ins Schwitzen gebracht. Die bereits fertigen Entwürfe mussten kurzerhand umgestaltet werden.
Die Düsseldorfer - bekannt für ihre frechen bis politisch unkorrekten Mottowagen - zeigten Wulff als gerupften Bundesadler, der eine Bruchlandung hingelegt hat. An seinem Körper hingen nur noch wenige Federn, darunter stand "Und Tschüss...". Neben ihm fand sich eine hochaktuelle Anspielung auf seinen designierten Nachfolger: Aus einem Ei scheint in jedem Moment Joachim Gauck zu schlüpfen.
Auf einem Kölner Wagen wurde Wulff vom deutschen Michel aus einem viel zu großen Anzug gezogen, der für das Amt des Bundespräsidenten steht. Aus der Kleidung fielen Handy, Prozente, Zinsen und Urlaubsreisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) raufte sich entsetzt die Haare. Die ganze Szene spielte sich vor dem "Kaufhaus Vorteilsnahme" mit dem Angebot "Sonderkredite: 3 nehmen - 1 bezahlen" ab. In vergleichbarer Art war ein deutsches Staatsoberhaupt - ob gescheitert oder nicht - im rheinischen Karneval noch nicht verspottet worden.
Neben Wulff waren in diesem Jahr auch Merkel und die FDP ein beliebtes Opfer. Auf einem Mottowagen drückte die Bundeskanzlerin den klein geratenen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy an ihre üppige Brust - ein Hieb auf das europäische Duett "Merkozy". Auf einem weiteren Entwurf trat sie auf einem Tandem in die Pedale. Hinter ihr sitzt der Koalitionspartner FDP als ein Skelett.
Auch unpolitische Wagen kamen gut an. In einer Hommage wurde der verstorbene Humorist Loriot geehrt. Loriot steht vor Petrus im Himmel, der ihm entgegnet: "Die Ente bleibt draußen". Das Netzwerk Facebook wurde als Datenspinne dargestellt. Für Smartphones soll es nach dem Sinn der Kölner Narren künftig eine "Pappnas-App" geben. Mit Blick auf den Ärztemangel auf dem Land wurde die RTL-Sendung "Bauer sucht Frau" in "Bauer sucht Arzt" verwandelt.
Mit den Rosenmontagszügen erreichte der Straßenkarneval seinen Höhepunkt. In Köln wurden unter dem diesjährigen Motto "Jedem Jeck sing Pappnas" 300 Tonnen Süßigkeiten, mehr als 700.000 Schokoladentafeln, über 220.000 Schachteln Pralinen und 300.000 Sträuße ins Publikum geworfen. In Düsseldorf lautete das Motto "Hütt dommer dröwer lache". Auch im Ruhrgebiet gingen Karnevalisten auf die Straße.
dapd