Hamburger Piraten-Prozess: Verfahren gegen fünf Männer abget
Mögliche Entlastungszeugen in Indien aufgetaucht
Im Piraten-Prozess vor dem Hamburger Landgericht sind die Verfahren von fünf der zehn Angeklagten abgetrennt worden. Gegen die Männer werde nun in einem anderen Prozess gesondert weiterverhandelt, sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch auf dapd-Anfrage.
Hamburg (dapd-nrd). Im Piraten-Prozess vor dem Hamburger Landgericht sind die Verfahren von fünf der zehn Angeklagten abgetrennt worden. Gegen die Männer werde nun in einem anderen Prozess gesondert weiterverhandelt, sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch auf dapd-Anfrage. Unter den fünf Somaliern befänden sich auch die drei jüngsten Angeklagten, die nach Jugendstrafrecht verurteilt werden sollen. Ziel sei es, die seit 77 Prozesstagen andauernde Verhandlung zu beschleunigen. Ein Termin für das neue Verfahren stehe noch nicht fest.
Es soll in dem abgetrennten Prozess eigentlich mit den Plädoyers der Verteidigung der fünf Männer fortgefahren werden. Allerdings gibt es dem Sprecher zufolge noch eine Unklarheit bei einem der jüngeren Angeklagten: Dieser habe am Mittwoch ausgesagt, in der Haft gewachsen zu sein. Dies würde im Widerspruch zu einem Altersgutachten stehen, was dazu führen könne, dass der Angeklagte wieder dem ursprünglichen Prozess zugeordnet werde.
Zuvor war am Mittwoch bekannt geworden, dass möglicherweise weitere Zeugen vernommen werden. Zwei Seeleute seien überraschend in Indien von Interpol ausfindig gemacht worden, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Steinmetz. Die beiden Männer hätten sich auf einem Piraten-Mutterschiff befunden. Sie sollen laut Verteidigung Angaben dazu machen können, ob einige der Angeklagten im April 2010 mit Waffengewalt zum Entern des deutschen Frachters "Taipan" gezwungen wurden. Es werde nun versucht, die beiden Seeleute für eine Aussage zu erreichen.
Die Staatsanwaltschaft fordert für die zehn somalischen Angeklagten insgesamt 81 Jahre Haft. Die "Taipan" war von niederländischen Marinesoldaten aus der Hand von Piraten befreit worden. Die zehn an Bord festgenommenen Männer waren anschließend an die Justiz nach Deutschland ausgeliefert worden. Es ist das erste Mal, dass mutmaßliche Seeräuber aus Somalia vor einem deutschen Gericht stehen.
dapd