Hamburg (dapd-nrd). Die Stadt Hamburg will ihre neuen Anteile an der Reederei Hapag-Lloyd "in einem absehbaren Zeitraum" weiterverkaufen. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erklärte am Dienstag, er könne sich sogar einen vollständigen Ausstieg aus der viertgrößten Linienreederei der Welt vorstellen. Voraussetzung sei aber, dass die Stadt mindestens ihre Investitionen und Zinsbelastungen zurück erlöse. "I want my money back" ("Ich will mein Geld zurück"), sagte Scholz in Anspielung auf ein geflügeltes Wort der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher.
Der Senat der Stadt hatte zuvor dem Kauf weiterer Hapag-Lloyd-Anteile vom Reisekonzern TUI in Höhe von 420 Millionen Euro zugestimmt. Scholz begründete die Investition damit, "dass ein großes und wichtiges Unternehmen unserer Stadt nicht Opfer eines globalen Monopoly wird". Diese Gefahr sei echt gewesen, sagte der Politiker, dem Einmischung des Staates in die Wirtschaft vorgeworfen worden war.
Die Stadt Hamburg steigt mit dem jetzt angekündigten Zukauf zum größten Anteilseigner der Reederei mit rund 37 Prozent auf. Ursprünglich war Hamburg schon 2008 bei dem Unternehmen eingestiegen.
Scholz rechnete vor, dass 1.100 Mitarbeiter direkt bei Hapag-Lloyd in der Stadt arbeiteten. Insgesamt seien aber 20.000 Jobs in der Region mittelbar von Hapag-Lloyd abhängig.
Zum Ausstieg sagte der Bürgermeister, es gehe darum, dass "Hapag-Lloyd nicht in falsche Hände gerät". Ein erster Schritt dazu sei schon getan: Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne habe ein Kaufrecht für städtische Anteile in Höhe von 150 Millionen Euro. Auch ein Börsengang sei möglich.
Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) nannte erstmals die Zinsbelastung der Stadt durch den kreditfinanzierten Kauf. Für die seit 2008 übernommenen Anteile seien bisher insgesamt 80 Millionen Euro fällig geworden, dazu kämen nun weitere 10 Millionen Euro pro Jahr für die zusätzlichen Anteile. Tschentscher sagte, er rechne ab 2013 mit Dividendenzahlungen der Reederei.
Kritik an den Plänen kam von den Grünen: Es sei "ein riskantes Geschäft für Hamburg", sagte Wirtschaftssprecher Anjes Tjarks. 420 Millionen Euro seien "Geld, das wir nicht haben".
Der Reisekonzern TUI will sich ganz von der Reederei trennen, mit dem Verkaufserlös Schulden zurückzahlen und das Touristikgeschäft erweitern.
Das Konsortium Albert Ballin, in dem die Stadt Hamburg, der Logistikunternehmer Kühne sowie Banken, Versicherungen und andere Privatinvestoren zusammengeschlossen sind, hält derzeit 61,6 Prozent an Hapag-Lloyd, künftig werden es fast 80 Prozent sein.
dapd